Psychologische Online-Beratung - Laura Stoiber (Instahelp)

„Widerstandsfähig sein“ – was machen resiliente Menschen anders?

Manche Menschen können es einfach. Sie werden mit Druck, Stress und Niederlagen fertig ohne dabei einen Schaden zu nehmen. Im Gegenteil sogar, an jeder Krise wachsen sie und werden noch stärker.

Der Grund hierfür ist eine besondere Eigenschaft: Resilienz.

Resilient ist jemand, der sich durch Krisen nicht „brechen“ lässt, sondern aus jedem Unglück lernt und gerade durch die Leiderfahrung über sich hinauswächst und noch stärker und widerstandsfähiger wird.

 
Mit anderen Worten: “Resilient ist, wer auch mit dem Kopf unter Wasser noch Perlen findet.”

Die beste Versinnbildlichung für Resilienz ist die Bambuspflanze. Der Bambus ist die widerstandsfähigste Pflanze der Welt. Egal bei welchen Bedingungen, Hochwasser oder extremer Dürre, der Bambus wächst bei jeder Wetterlage und hat sehr starke Wurzeln. Das Gute ist, dass was der Bambus schafft, kann auch jeder Mensch schaffen kann.

Jeder von uns hat einen Bambus in sich, eine sogenannte innere Widerstandskraft – die Fähigkeit zur Resilienz. Doch was machen resiliente Menschen anders?

Die Wurzeln der inneren Haltung

Der Bambus verwurzelt sich tief, denn ohne feste Wurzeln gibt es keinen widerstandsfähigen Bambus. Resiliente Menschen haben starke Wurzeln und haben daher starke und feste Beziehungen und Kontakte. Außerdem begegnen sie äußere Dinge, die nicht veränderbar sind, mit einer optimistischen Grundhaltung, akzeptieren unveränderbare Dinge schneller als andere und sehen auch in dunklen Zeiten, die Sonnenseiten des Lebens. Das gelingt ihnen aber nur deswegen, da sie in Verbundenheit mit sich selbst leben und auch in sich selbst stark verwurzelt sind. Resilient zu sein bedeutet jedoch nicht, dass man niemals niedergeschlagen ist, nie Sorgen hat oder keine Schmerzen hat. Natürlich haben resiliente Menschen auch Sorgen, der Unterschied ist jedoch: sie nehmen diese schneller an, verweilen nicht lange in der Lage, sondern gehen optimistisch in die Handlungsorientierung, und verarbeiten eine Krise somit schneller. Ganz nach den Worten des Dalai Lama:

“Schmerz ist unvermeidlich, Leiden ist freiwillig.”

 
Diese innere Einstellung lässt sich einüben und eintrainieren. Die Neurowissenschaften zeigen ganz eindeutig, dass wir veränderbar sind, denn wir können die alten Nervenverbindungen verlassen, die immer gleiches Handeln verdeutlichen und können mit der Zeit neue Verbindungen spuren. Ein Muster, beispielsweise, das viele Menschen haben, ist dass wir uns zurückziehen, wenn der Stress Überhand nimmt. Wir treffen uns nicht mehr mit Freunden und legen unsere Beziehungen auf Eis, weil wir denken: „Zu Spaß und Treffen habe ich momentan keine Zeit. Ich schaffe die Arbeit sonst nicht und bin schon müde.“ Doch wenn die To Do Liste ohnehin schon unschaffbar ist, gilt es neues Denken an den Tag zu legen und das Thema Verbundenheit und Beziehungen in den Vordergrund zu stellen. Denn wer auch in Stressphasen weiterhin das Netzwerk und die Beziehungen pflegt, wird dabei neue Kraft schöpfen.

Enge und positive sowie emotionale Beziehungen sind wie unzählige Forschungsergebnisse nachweisen die wichtigste Quelle für Resilienz und Zufriedenheit. Außerdem helfen bei starker Belastung auch überzeugende Vorbilder, die zu positiven Bewältigungsverhalten anregen. Eine gute Strategie ist es daher auch, Biographien von Menschen, die schwierige Zeiten sehr gut überstanden haben, zu lesen (zum Beispiel das Buch: „Trotzdem Ja zum Leben sagen“ von Prof. Viktor Frankl).

Das eigene Ich und die eigenen Stärken stärken

Wie großauch immer eine Krise sein mag, um Stand zu halten ist es entscheidend, sich seiner Selbst und seinen eigenen Stärken bewusst zu sein. Sinnbild ist hier der Stamm des Bambus. Selbst wenn der Bambus unter einer großen Schneelast für lange Zeit auf dem Boden lag, steht er einfach wieder auf und wächst weiter. Und das bis zu einem Meter am Tag. Der Bambusstamm, das ist das stabile Selbst einer Person, das sind die „Ich“ Stärken. Daher ist es wichtig, sich selbst gut zu kennen, sich auch zu reflektieren und sich auch dann zu mögen und zu vertrauen, wenn es im Leben gerade nicht gut läuft. Resiliente Menschen bleiben auch bei Druck ganz bei sich und sind gelassen. Je besser man weiß wer man ist und welche Bedingungen man braucht, um zu zeigen was man kann, desto weniger gerät man unter Druck. Denn dann weiß man genau wann es Zeit ist eine Pause einzulegen, im Job um Unterstützung zu bitten oder auch eine Überforderung deutlich anzusprechen. Weiters ist es auch wichtig, im Einklang mit seinen Taten zu sein und Sinn zu finden, in dem was man macht. Denn wenn man weiß „warum“ man etwas macht, dann kann das „Wie“ noch so schwierig sein.

Die immer grünen Blätter der Aktivität

Entscheidend in jeder schwierigen Situation ist natürlich auch, dass wir genügend Energie haben. Wir brauchen Kraft um zu handeln, so wie der Bambus die Kraft hat, das ganze Jahr über grüne Blätter zu tragen. Unsere Bambusblätter oder Energiespender sind: körperliche und geistige Vitalität sowie die maximale Ausnützung des eigenen Handlungsspielraums. Das heißt konkret: “Worauf fokussiere ich meine Aufmerksamkeit? Auf das was unveränderlich ist oder auf meinen Spielraum, den ich positiv beeinflussen kann?”

Oft ist der Handlungsspielraum sehr klein, aber wenn man achtsam ist, gibt es immer etwas, das man verändern kann. Auch in noch so schwierigen Zeiten zu erkennen was machbar ist, das ist die wahre Kunst. Wer aber seinen Fokus immer auf die Rahmenbedingungen einer Situation richtet, wird meist nur die unveränderlichen Dinge wahrnehmen und schließlich auch keinen Handlungsspielraum erkennen können. In der Folge wird man immer weniger handeln, immer passiver und somit immer mehr zum hilflosen Opfer. Wer sich aber mehr auf den eigenen Handlungsspielraum richtet, setzt damit automatisch Aktionsenergien frei. Und man ist in der Lage konstruktiv auf die Umstände zu reagieren. Daraus entsteht eine sich selbstverstärkende Spirale ins Tun und ins Positive. Man wird also eigener Gestalter seiner Umstände und automatisch auch resilienter.

Denn ganz gleich was passiert, ob wir unsere Stelle verlieren, ob im Büro die Arbeitslast wächst, wir einen Unfall haben oder ob der Firmenpartner einen verlässt, eines ist nie zu vergessen: “Wir selbst haben immer die Kontrolle über die Bedeutung die wir einer Sache geben. Oder den Fokus den wir wählen und den Schritt den wir als nächstes Tun.”

Quellen:

  • Brooks, R., & Goldstein, S. (2007). Das Resilienz-Buch: wie Eltern ihre Kinder fürs Leben stärken-das Geheimnis der inneren Widerstandskraft. Klett-Cotta.
  • Wellensiek, S. K. (2011). Handbuch Resilienz-Training.
  • Wellensiek, S. K. (2012). Resilienz-Training für Führende: So stärken sie Ihre Widerstandskraft und die Ihrer Mitarbeiter. Beltz.
  • Fröhlich-Gildhoff, K., & Rönnau-Böse, M. (2015). Resilienz (Vol. 3290). UTB.

Fotocredit: iStock.com/g-stockstudio


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Elisabeth Poisinger

Mag. Elisabeth Poisinger

Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin

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