Besser leben - Susanne Prosser

Wer sich für Unabhängigkeit entscheidet, liebt nicht mehr

Unabhängigkeit wird oft als höchste Stufe der Selbstverwirklichung gesehen. Doch ist sie das wirklich?

Unabhängigkeit ist heute ein Wert, der hoch angesehen wird. Unabhängigkeit steht für Freiheit und Selbstbestimmung. Wer sich unabhängig von anderen macht, stellt sich selbst über alles. Das bringt natürlich zahlreiche Vorteile mit sich. Man ist eben nicht mehr auf andere angewiesen und kann vermeintlich machen, was man will. Dem Ruf der Freiheit folgen, die eigenen Träume verwirklichen. Alles ist gut uns sexy, aber bloß nicht abhängig sein.

Wir sind alle abhängig

Nun ist es eine Tatsache, dass wir immer von anderen Menschen abhängig sind. Wer sich vormacht, unabhängig sein zu können und damit auch noch glücklich zu sein, lügt sich in die Tasche. Außer, wir entscheiden uns für ein Leben wie Robinson Crusoe auf der Insel uns versorgen uns mit dem, was die Natur uns bietet.

In der Zivilisation ist es anders: Wir Menschen sind soziale Wesen und sind darum per se abhängig, von unseren Kollegen, Vorgesetzten, Kunden und Geschäftspartnern, von unserem sozialen Netzwerk und – eben auch – von einem Partner, wenn wir einen haben. Er ist der Mensch, den wir lieben. Und das macht uns zugleich verletzbar.

Unabhängigkeit macht kalt

Leidenschaft und Feuer zünden nur dann, wenn wir und verletzbar machen, die Masken ablegen uns selbst zu Hundert Prozent hingeben. Nur wenn wir alles geben, können wir alles bekommen. Wer sich selbst hingegen von seinen wahren, tief verborgenen Bedürfnissen distanziert – nein, diese sind nicht immer offensichtlich – und auf totale Unabhängigkeit besteht, hat gewisse Storys aus seinem Leben einfach noch nicht abgeschlossen.

Genau diese Punkte, die weh tun, halten Menschen davon ab, sich selbst voll einzulassen. Sie halten Menschen davon ab, Hundert-Prozent-Entscheidungen zu treffen. Es tut weniger weh, zu sagen, dass die Unabhängigkeit über allem steht, als wieder und noch einmal enttäuscht zu werden. Auch die Möglichkeit des vollkommenen Glücks macht vielen Menschen Angst, weil sie es sich einfach nicht vorstellen können, dass das möglich ist. Unbewusst werden sie dann alle möglichen Schritte setzen, die genau dieses Lebensglück verhindern, die Temperatur der Leidenschaft auf lauwarm halten und damit immer wieder das bestätigen, was sie glauben, wie das Leben ist: Lauwarm eben.

Wer immer nur nach Unabhängigkeit strebt, will die Kontrolle behalten, möchte sich sich für den Preis der Verwundbarkeit nicht einlassen und auch nicht loslassen. Wer immer nur nach Unabhängigkeit strebt, muss sich klar sein, dass er emotionale Tiefe damit bestenfalls im Mittelmaß erleben wird.

Fotocredit Titelbild: iStock.com/brickrena


Online-Beratung durch Psychologen


Isabelle Diwoky

Mag. Isabelle Diwoky

Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin

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