Besser leben - Sabine Otremba

Oh du fröhliche Vorweihnachtszeit

Die Vorweihnachtszeit hat es nicht leicht, denn oft ist sie mit Erwartungen überfrachtet. Sie soll märchenhaft schön werden und die Werbung pflanzt uns die passenden Bilder in den Kopf. Das Zusammensein mit lieben Menschen, gutes Essen, entspanntes Nichtstun, stimmungsvolle Dekoration, wunderbare Geschenke und über all dem liegt der Glanz von Kerzen und Lichterketten, der alles in harmonisches Licht taucht. Märchenhaft schön – aber eben leider auch ein Märchen.

Stress lass nach…

Denn dem gegenüber steht nämlich der alljährliche Vorweihnachtswahnsinn, der zu proppevollen Terminkalendern führt. Weihnachtsfeiern, Einkaufsirrsinn sowie Weihnachtsbäckerei und Bastelwerkstatt. Nicht zu vergessen das i-Tüpfelchen: Ein mehrgängiges Weihnachtsmenü für die ganze Familie. Und natürlich möchte man es allen so schön wie möglich machen und auch ein bisschen gelobt werden für das, was man da auf sich genommen hat. Nur aus Liebe, natürlich. Zumindest ging es mir so. Und so wurde meine Vorweihnachtszeit nicht zur schönsten Zeit des Jahres, sondern zur anstrengendsten. Weil ich alles mitgenommen habe, was nach Stress schreit und mir selbst noch welchen draufgepackt habe.

Entspannte Vorweihnachtszeit – wie es garantiert nicht gelingt

  • In der Weihnachtsbäckerei: Da Weihnachten ohne den Duft selbstgebackener Weihnachtsplätzchen undenkbar ist, stehe ich Stunde um Stunde in der Küche. Um Plätzchen zu backen, von denen alle etwas haben. Nur ich nicht. Weil die Keksdose immer leer ist, sobald sie meinen Weg kreuzt. Weil sich so ein kleines Plätzchen nun mal wesentlich schneller verputzen lässt, als ich backenderweise für Nachschub sorgen kann.
  • Advent, Advent… der Terminkalender brennt: Die Vorweihnachtszeit ist mit Adventskaffeekränzchen und Weihnachtsfeiern gespickt. Da sich das Jahr allerdings überraschend gen Ende neigt, rufen sich auch schnell noch Menschen in Erinnerung, die ich seit Monaten nicht mehr gesehen habe. Und da wir uns in diesen Wochen alle besonders gerne mögen, müssen wir uns vorher auch noch einmal treffen. Das reicht dann wieder für ein Jahr.
  • Weihnachtskarten für alle: E-Mails sind bequem und praktisch, allerdings furchtbar unpersönlich. Weihnachtsgrüße per E-Mail? Unhöflich. Also sind handgeschriebene Weihnachtskarten gefragt. Womöglich sogar eigenhändig gebastelte? Selbstverständlich werden dabei auch die bedacht, an die ich sonst eher selten denke. Aber kurz vor Weihnachten ist eben alles anders.
  • Alles muss glänzen: Selbstverständlich hat die Wohnung in vorweihnachtlichem Hochglanz zu erstrahlen. Für mich. Und für die Gäste, die da kommen werden. Da Familienbesuch ansteht, der den Blick liebevoll aber streng schweifen lässt, liegt die Messlatte in etwa so hoch, als käme die Queen nebst Gefolge vorbei.
  • Bitte zu Tisch: Auch ein bekennender Pasta-Liebhaber weiß, dass über die Feiertage groß aufzutischen ist. Also durchforste ich in jeder freien Minute einschlägige Blogs und Pinterest-Boards, bis ich etwas gefunden habe, was hoffentlich zu den unterschiedlichen Ernährungskonzepten aller Gäste passt. Da tummeln sich nämlich Vegetarier und Veganer neben denen, die alles essen – persönliche Abneigungen wie ein Widerwillen gegen Rosinen oder bestimmte Gewürze kommen auch noch dazu.
  • Geschenke, die von Herzen kommen: Wer den anderen liebt, der weiß natürlich, welches Geschenk für leuchtende Augen sorgt. Kraft des vorweihnachtlichen Hellsehens ist es kein Problem, das richtige Geschenk auszusuchen, da der Überraschungseffekt ja auf keinen Fall durch diese schnöde „Was wünschst du dir eigentlich zu Weihnachten?“-Frage zerstört werden soll.

Vom Geist der Weihnacht und Mr. Scrooge

Es kam, wie es kommen musste. Bei so viel hausgemachtem Stress war die Vorweihnachtszeit für mich natürlich nicht die schönste des Jahres. Trotz Kerzen, weihnachtlicher Dekoration und heimeliger Gemütlichkeit war mir der Geist der Weihnacht so fern, als wäre ich Mr. Scrooge. Ehe er bekehrt wurde. Erst als ich völlig entnervt einen gepfefferten Streit vom Zaun brach, um meine Lieben wissen zu lassen, was ich mir ihretwegen alles aus Liebe aufhalse, kam ich zur Besinnung. Und rief mir in Erinnerung, worum es in der Vorweihnachtszeit eigentlich geht. Das mögen für manch einen Bleche voll selbstgebackener Plätzchen, das mehrgängige Weihnachtsmenü mit allen Schikanen oder streifenfreie Fenster mit bunten Lichterketten sein. Meine Prioritäten liegen allerdings anderswo.

In diesem Sinne: Lernen Sie aus meinen Fehlern und machen Sie es besser. Haben Sie eine entspannte Vorweihnachtszeit.

Fotocredits: iStock.com/Azurita


Online-Beratung durch Psychologen


Diana Daphne Bischoff

Mag. Diana Daphne Bischoff

Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin

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