Besser leben - Sabine Otremba

Mehr Klarheit: Das Ziel in Worte fassen

Es kommt der Tag, an dem wir genug von unseren Tagträumen haben und bereit sind, das anzupacken, was uns schon lange auf der Seele brennt. Gut, wenn wir dann ein klares Ziel formulieren. Denn sonst irren wir möglicherweise ziellos umher, wie Alice im Wunderland.


Die, als sie die Grinsekatze nach dem Weg fragte, folgende Antwort bekam:

 

“‘Das hängt zum guten Teil davon ab, wohin du gehen willst’, sagte die Katze. ‘Es kommt mir nicht darauf an, wohin – ‘, sagte Alice. ‘Dann kommt es auch nicht darauf an, welchen Weg du nimmst’, sagte die Katze.”
(Lewis Carroll aus “Alice im Wunderland”)

 

Nun sollte man meinen, dass wir das, was uns wirklich wichtig ist, ohnehin nicht aus den Augen verlieren. Dass unser Herz oder unsere Seele uns schon den Weg weisen und dass wir fokussiert sind. Nur: wie realistisch ist das?

Unkonzentrierter als ein Goldfisch

Schon Aristoteles beschäftigte sich mit der „Enge des Bewusstseins“ oder eben mit unserer begrenzten Aufnahmekapazität. Ehe an das mediale Dauerfeuerwerk, mit dem wir es heute zu tun haben, auch nur zu denken war. Auch um unsere Aufmerksamkeitsspanne steht es nicht zum Besten – ein Thema, dem sich mittlerweile zahlreiche Studien widmen. Angeblich können sich sogar Goldfische länger konzentrieren als wir, so das Ergebnis der Microsoft-Studie. Möglicherweise geht der Punkt an den Goldfisch, weil er dieses kleine Ding, das sich immer wieder als größter Unruhestifter entpuppt, nicht nutzt.

Die Rede ist natürlich vom Smartphone. Sogar seine bloße Anwesenheit lässt uns hibbelig und unkonzentriert werden. [1] Und ich muss gestehen, dass ich mich nach einer Runde am Smartphone (Blick in die sozialen Netzwerke, sehr wichtig…) bisweilen selbst in der Küche wiederfinde und überlege, was genau mich eigentlich dorthin verschlagen hat. Und hier reden wir von einem überschaubaren Zeitrahmen und nicht von einem auf Jahre angelegten Plan.

Aufschreiben gegen zielloses Umherirren

Es ist also eine gute Idee, das Ziel schriftlich festzuhalten und es in Teilschritte zu untergliedern, damit wir uns nicht in einem Meer aus Reizen und Möglichkeiten verlieren. Denn:

  • Fokus: Das Aufschreiben gibt die Richtung vor und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das, was wir erreichen wollen. Wenn wir die Kaffeetasse auf dem Tisch fotografieren wollen, richten wir die Kamera ja auch nicht gen Himmel.
  • Aufmerksamkeit bündeln: Indem wir unsere Wahrnehmung auf das richten, was wir erreichen wollen, blenden wir andere Dinge zwangsläufig aus. Auch wenn wir die umherstreifenden Gedanken immer mal wieder zur Räson rufen müssen.
  • Selektive Wahrnehmung: Die auf das Ziel gebündelte Aufmerksamkeit hilft uns dabei, aus einem Wust von Reizen und Nachrichten die herauszufiltern, die für uns zielführende Informationen darstellen.
  • Verbindlichkeit: Darüber hinaus sorgt das Aufschreiben für Verbindlichkeit – und dazu müssen wir nicht unbedingt einen Vertrag mit uns selbst schließen.
  • Klarheit: Und zu guter Letzt sortieren wir dank des Aufschreibens noch einmal unsere Gedanken. Dieses Ziel wollen wir ansteuern? Mit allem, was dazu gehört? Dann legen wir jetzt die Route fest…

Kurz und gut: Ohne Fokus ist keine zielgerichtete Handlung möglich.

Gut formuliert – die Straßenkarte zum Ziel

Auf welche Art und Weise wir unser Ziel schriftlich festhalten, bleibt uns überlassen. Manche mögen es SMART:

  • S = spezifisch
  • M = messbar
  • A = attraktiv oder aktionsorientiert
  • R = realistisch
  • T = terminiert

Andere setzen auf AROMA:

  • A = aussagefähig
  • R = realistisch
  • O= objektiv
  • M = messbar
  • A = annehmbar

Vielleicht sprechen uns aber auch weder SMART noch AROMA an und wir entwickeln unsere ganz eigene Art des „Formulierens“. Etwa in Gestalt einer Art Straßenkarte, auf der wir eher Bilder sprechen lassen. Oder indem wir in Anlehnung an Autorin und Bloggerin Gretchen Rubin lediglich ein Wort als Zielvorgabe wählen, das wir für uns ansprechend illustrieren oder in Form einer Mindmap gestalten. Es gibt weder richtig noch falsch – nur das, was uns weiterhilft.

Doch erst wenn die Route steht, können wir uns auf den Weg machen. Was zweifelsohne einfacher klingt, als es ist. Hilfreich sind Menschen, die uns in regelmäßigen Abständen fragen, wie weit wir auf unserem Weg schon vorangekommen sind. Oder die uns vielleicht sogar ein Stück des Weges begleiten.

Was wir vom Navi lernen können

Und wenn wir unterwegs mal wieder vom Weg abkommen oder ein paar Umwege nehmen, obwohl wir dieses Mal doch endlich zielstrebig sein wollten und so einen schönen Plan ausgearbeitet haben, hilft Gelassenheit. Zielstrebigkeit ist erstrebenswert, keine Frage. Allerdings sollten wir uns davor hüten, mit Scheuklappen durchs Leben zu gehen. Denn sonst erreichen wir zwar am Ende unser großes Ziel, doch warten hinter der Ziellinie weder das Feuerwerk noch die Konfettikanone. Sondern das vage Gefühl, bisher „irgendwie nicht richtig gelebt zu haben“. Selbst ein Navigationsgerät, dieses Wunderwerk der Technik, schickt uns gelegentlich trotz korrekt eingegebener Daten auf abenteuerlichste Wege. Also seien wir gnädig mit uns. Wir sind nur Menschen…

 

Quelle:
[1] The Mere Presence of Your Smartphone Reduces Brain Power, Study Shows: https://news.utexas.edu/2017/06/26/the-mere-presence-of-your-smartphone-reduces-brain-power

Fotocredits: iStock.com/atyana_tomsickova


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Barbara De Sousa Teixeira

Mag. Barbara De Sousa Teixeira

Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin

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