Besser leben - Sabine Otremba

Die magische Kraft der Vorbilder

Vorbilder sind ein wenig aus der Mode gekommen. Nicht, weil es keine gäbe. Sondern eher, weil es mittlerweile unglaublich wichtig ist, ein Original zu sein. Nachahmen ist verpönt. Da macht es auch keinen Unterschied, ob wir die Nachahmung freundlich mit „ich habe mich inspirieren lassen“ umschreiben. Das ist schade. Denn Vorbilder können uns Orientierung liefern und uns tatsächlich inspirieren. In ihrem Windschatten schaffen wir vielleicht das, was vorher undenkbar war.


Nachahmen erwünscht

Wenn wir auf die Kraft der Vorbilder setzen, besinnen wir uns im Grunde auf das, was uns früher schon einmal sehr erfolgreich weitergebracht hat. Denn als Kinder beobachten wir unsere Umgebung sehr genau und imitieren dann das Verhalten der Menschen, mit denen wir es andauernd zu tun haben. Während das in der Kindheit noch ungeprüft geschieht, sind wir als Erwachsene idealerweise wählerischer. Wir suchen unsere Vorbilder bewusst aus und übernehmen nur die Verhaltensweisen, die wir für uns als nützlich erachten oder die zu uns passen. Das Schöne ist, dass jeder als Vorbild taugt, der uns inspiriert. Völlig egal, ob es sich um Madonna, Michelle Obama, Emma Watson, Hermine Granger oder Pippi Langstumpf handelt.

Um dem Nachahmen ein wenig den Schrecken zu nehmen, können wir auch einen Blick in die Küche werfen. Wenn ich noch nie einen Apfelkuchen gebacken habe, kann ich natürlich einfach die Zutaten zusammenwerfen, die ich für die richtigen halte und schauen, was passiert. Ich kann mir aber auch ein Rezeptbuch nehmen und mich an die Anweisungen halten. Nachdem ich auf diese Art einen genießbaren Apfelkuchen produziert habe, werde ich vielleicht wagemutiger. Ich experimentiere mit dem Rezept und bringe ein paar neue Zutaten ein. Bis ich meinen Apfelkuchen im Lauf der Jahre so verfeinert habe, dass ich das ursprüngliche Rezept völlig vergessen habe. Und ebenso können wir mit den Vorbildern unserer Wahl verfahren. Oder eher: Mit dem, was sie für uns so interessant macht.

Vorbilder, die wir uns aussuchen

Gerne suchen wir uns Vorbilder aus, die uns ähnlich sind. Die bestimmte Einstellungen, Wesenszüge oder Vorlieben besitzen, in denen wir uns wiedererkennen. Allerdings ist uns unser Vorbild irgendwo bereits ein Stückchen voraus. Indem wir nun bestimmte dieser Verhaltensweisen übernehmen, bringt das auch uns weiter – so die Idee. Vielleicht wählen wir aber auch ein Vorbild, das bereits dort ist, wo wir gerne hinwollen. Die Annahme: Wenn wir unserem Vorbild nacheifern, können wir ebenso erfolgreich werden oder auch so viel Spaß haben. Die Vorbilder, die wir uns gezielt aussuchen, sollen uns dabei helfen, bestimmte Bereiche unseres Lebens zu verbessern.

Vorbilder, die uns finden

Manchmal suchen wir uns keine Vorbilder aus – stattdessen finden sie uns. Meist in Momenten, in denen wir gar nicht damit rechnen, etwa während wir in einen Film oder Roman eintauchen. Plötzlich sind sie da, bringen eine Saite in uns zum Klingen und lassen uns nicht mehr los. Manchmal verspüren wir auch das rätselhafte Bedürfnis, wieder und wieder einen bestimmten Film zu sehen oder unbedingt diesen einen Roman zu lesen. Es kann spannend sein, dem genauer nachzuspüren. Gut möglich, dass wir wichtige Anhaltspunkte über die Bereiche unseres Lebens erhalten, die derzeit ein wenig zu kurz kommen. Oder über Verhaltensweisen, die wir auch gerne hätten oder ausleben wollen. Auch Sehnsüchte, die wir bewusst oder unbewusst unterdrücken, bringen sich so gerne ins Bewusstsein.

Was unsere Vorbilder über uns aussagen

Interessant ist, dass unser gewähltes Vorbild durchaus eine Menge über uns aussagt. Wenn wir jemanden wählen, dessen Eigenschaften wir bewundern, dann deutet das darauf hin, dass genau diese Dinge bereits in uns schlummern. Oft ist uns das sogar bewusst. Und wenn wir bereit sind, ein entsprechendes Vorbild zu wählen, dann sind wir auch bereit, an uns zu arbeiten, um ebendiese Eigenschaften zum Leben zu erwecken. Spannend sind allerdings auch Menschen, die uns aufgrund ihres Verhaltens oder ihrer Art buchstäblich abstoßen. Quasi unsere Anti-Vorbilder. Auch hier lohnt es sich, sehr genau hinzuschauen, denn möglicherweise liefern uns diese Menschen wichtige Hinweise auf unsere Schattenseiten.

Welche Vorbilder auch immer es uns angetan haben, es hat einen Grund. Ob es sich dabei nun um Lara Croft, Albus Dumbeldore oder Usain Bolt handelt: Wir sollten uns weder von unserem inneren Saboteur noch von „wohlmeinenden Freunden“ reinreden lassen. Und stattdessen still und heimlich ein wenig mit unserem Vorbild experimentieren. Wer weiß, wohin uns das bringt und was dann geschieht…

Fotoquelle: iStock.com/solarseven


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Alejandra Vaqué

Alejandra Vaqué

Klinische Psychologin

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